|
Warum in die Ferne schweifen?
Ich geh immer dieselben Wege, um mein Haus
herum, die umliegenden Felder, in den nahen Wald und jedes Mal zeigen sie sich anders, mal im zartem Schleier des Frühlings, den jungen Gräsern und Saaten und den vielen Blumen, die im zarten Aquarell die Wiesen
zieren, später tausende von Blüten in den Bäumen, das zarte Heckenröschen, im Wald das hauchzarte Grün in Buche und Birke, die Sprießen in Tanne und Kiefer, dazu das Schallen des Vogelsangs; mal ist es die Amsel,
mal die Lerche, mal das frohe Schlagen der Finken, dann wieder die tiefe Mittagsstille des Waldes. Schmetterlinge in schillernden Farben befliegen die Blüten, manchmal sogar meine Hand, und die Luft ist vom Summen
der Bienen und Hummeln erfüllt.
Im Sommer ist die Zierde das reifende Korn, am Rande das kräftige Blau der Kornblume, das leuchtende Rot des Mohns, die Blüten der Brombeeren in den Hecken und das Schwellen
der Äpfel und Birnen an knorrigen Ästen. Und immer ist es ein anderer Himmel, andere Wolkenbilder, mal der segensreiche Regen, der wie eine geheimnisvolle Melodie von Blatt zu Blatt rieselt, mal ist es auch der
Sturm, der alles zerzausen möchte und sogar dem Mond die märchenhafte Stille raubt, indem er wilde Wolken an ihm vorüber jagt. Aber dann ist es wieder die Sonne, die alles vergoldet.
Wenn der Herbst einzieht,
der größte Maler der Natur, verzaubert er die Gärten, Felder und Wald mit aufflammenden Farben. Er bringt noch warme Tage und gönnt mir noch meinen Platz am Wiesenrand. Die Vögel sind noch alle da, aber beraten
schon ihren langen Flug ins wärmere Land. Die Kornernte ist geborgen, die Frucht vom Baum geerntet, Wehmut zieht in mein Herz, der Abschied von den Sommerfreuden liegt nah'. -
Aber auch die Starre des
Winters, verreiste, verschneite Wege verabscheue ich nicht, wieder zeigen sich meine Wege anders, aber schön, wenn die Sonne die Eiskristalle glitzern lässt, den Schnee mit tausend funkelnden Sternen verziert, den
Teich hinterm Haus vereist im Morgen - und Abendrot märchenhafte schimmern lässt, ich einen Schneemann vor mein Fenster bauen kann. Nach einer Schneewanderung mit frostigen Händen und Füßen finde ich Wärme und
Geborgenheit in meinem Haus. Ich hol mir eine Tanne herein, den Baum der Hoffnung auf neues Leben, das noch unter der Schneedecke ruht und zünde mir viele Kerzen an in der Vorfreude auf den Frühling, der wieder
dieselben blühenden Wege öffnen wird. -
|